Geheimnis der Weihnachtskrippen, Geschichte und Symbolik

Die Krippentradition in Bayern und Franken hat eine faszinierende Geschichte. Bereits im 10. Jahrhundert gab es Krippenspiele in den Kirchen. Das erste deutsche Krippenspiel wird 1162 aus Augsburg überliefert. Schon im Jahr 1223 hielt Franziskus von Assisi einen Weihnachtsgottesdienst in freier Natur mit Krippe, Ochs und Esel, Schafen und Hirten aus der Gegend. 1561 entstand die erste Kirchenkrippe in Prag, 1601 folgte Altötting.

Das einschneidendste Ereignis für die Krippengeschichte war im Zuge der Säkularisation das von staatlicher Seite aus verordnete „Krippenverbot” vom 4. November 1803. In den Kirchen durften keine Krippen mehr aufgestellt werden, weil der aufgeklärte Mensch des frühen 19. Jahrhunderts solcher ,,Vehikel” zur religiösen Aufklärung und Belehrung nicht mehr bedürfe. Viele Krippen wurden daraufhin vernichtet oder an Privatpersonen verkauft. Andere Krippen lagerte man auf Kirchen- oder Pfarrhausdachböden ein. Erst kurz vor Weihnachten 1825 hob König Ludwig I. das Krippenverbot in Bayern auf.

Auszug aus dem Bayrischen Krippenverbot von 1803

„Sinnliche Darstellungen gewisser Religionsbegebenheiten waren nur in einem solchen Zeitraume nützlich … als das Volk noch auf einer so niederen Stufe der Kultur und Aufklärung stand, dass man leichter durch Versinnlichung auf den Verstand … wirken konnte. Zu dieser sinnlichen Darstellung gehören die sogenannten Krippen, durch welche die Geschichte der Geburt des Herrn anschaulich … gemacht wird. Da die Bewohner der fränkischen Provinzen seit geraumer Zeit in der religiösen Aufklärung so fortgeschritten sind, dass es solcher Vehikel … nicht mehr bedarf, … so werden die Beamten und Pfarrer angewiesen, die Aufstellung der Krippen in den Kirchen …, wo sie bisher noch üblich war, nicht mehr zu gestatten.“

Der heutige Krippenzyklus zeigt in zeitlich wechselnden Abschnitten verschiedene Darstellungen. Beginnend mit der Verkündigung, der Herbergssuche über die Geburt Christi und die Anbetung durch die Hl. Drei Könige, bis hin zur Flucht nach Ägypten. In einigen Krippen wird die Darstellung Jesu im Tempel, der zwölfjährige Jesus im Tempel, die Hochzeit zu Kana und das Gleichnis von den Klugen und Törichten Jungfrauen dargestellt.

Figuren und Gegenstände bergen Geheimnisse, die Ihnen der Krippenfreund Hans Kraus, Bambergs ältester, zertifizierter Stadtführer, hier verrät.

  • Der Ochse steht symbolisch für das Judentum, der Esel für die Heiden. Der Ochse ist ein Zugtier, welches Wagen oder Pflug mit dem Joch zieht. Der Esel ist ein Lasttier, welches die Last auf seinem Rücken trägt. Und so sagt Augustinus, der Kirchenlehrer: ,,Das jüdische Volk hat keinen Verstand, denn es geht unter dem Joch des Gesetzes, und die dumme Heidenwelt trägt wie ein Lasttier an ihren Sünden.”
  • Das Schaf ist als Opferlamm ein Hinweis auf den Opfertod Jesu.
  • Der Stern von Bethlehem steht symbolisch für den neugeborenen Herrn: Christus ist das wahre Licht. – Wandernde Sterne waren im Vorderen und Mittleren Orient ein Symbol für die Geburt von Göttern.
  • Der Davidsstern, ein Hexagramm zweier ineinander geschobener Dreiecke, steht für die Einheit von Israel und Juda.
  • Ein Brunnen in der Krippe ist der Hinweis auf den Erlöser: Christus ist die Quelle allen Lebens. – David hatte Durst und sprach: ,,Wer holt mir Wasser aus dem Brunnen vor den Toren Bethlehems?” Das Wasser steht für Gottes Wort.
  • Eine Brücke in einer Kirchenkrippe verbindet das Alte mit dem Neuen Testament.
  • Der Apfel ist das Symbol für die Erbsünde.
  • Die Lilie gilt als Symbol für die Jungfräulichkeit der Gottesmut­ter; sie ist auch Attribut ihrer Eltern und Josefs. Der Erzengel Gabriel hält in der Verkündigungsszene oft eine weiße Lilie in der Hand.

In der Person Mariens spielen selbst die Farben ihrer Kleidung eine symbolische Rolle.

  • Der weiße Schleier und das weiße Tuch in der Krippe stehen für das Grabtuch Christi.
  • Rot steht für Blut und Tod, als Zeichen der Passion und des Kreuzestodes Christi.
  • Blau ist die Farbe der Treue, Farbe des Firmaments und weist hin auf die Aufnahme Mariens in den Himmel.
  • Marias offenes Haar steht für ihre Jungfräulichkeit und Keuschheit. Ein aufgeschlagenes Gebetbuch bei der Verkündigungsszene zeigt ihre Empfängnisbereitschaft.
  • In fränkischen Heimatkrippen findet man gelegentlich einen Schlotfeger mit der Jakobsleiter, die den Weg in den Himmel weist.

Die Heiligen Drei Könige sind die ersten Vertreter der Heidenwelt, die ihre Geschenke bringen, und mit Gold, Weihrauch und Myrre dem Heiland huldigen.

  • Die Gabe von Gold ist eine symbolische Handlung. Gottes Sohn wird durch das Kostbarste geehrt, was die Erde bietet. – Aus der Antike kennen wir das Zeremoniell des „aurum coronarium” (Goldkranz-Spende). Dabei überreichte der Besiegte – in der Regel ein Barbar – dem Triumphator einen goldenen Siegeskranz.
  • Myrre ist ein bitter schmeckender, wohlriechender Saft, der aus der Rinde einer Art des Balsambaumes sickert. Beim Trocknen kristallisiert er in Form durchsichtiger Körner von weißlicher bis roter Farbe, die beim Verbrennen Duft erzeugen und als Räucherwerk dienen. – Der Jesus vor seiner Kreuzigung angebotene Myrre-Wein (Mk. 15, 23) war ein Betäubungsmittel. Nach mosaischem Gesetz war die Myrre auch Hauptbestandteil eines heiligen Salböls (Ex. 30, 22 – 33), des Chrisams, mit dem die israelitischen Könige des Alten Testamentes gesalbt wurden. Die Gabe von Chrisam ist also auch ein Hinweis auf Christus, den neuen König Israels. Da Myrre aber ebenfalls zum Einbalsamieren benötigt wurde, weist das Geschenk der Magier auch schon auf seinen (Kreuzes-) Tod hin.
  • Weihrauch besteht aus dem Harz zweier Arten des Boswelliabaumes, das – kristallisiert – als gelbliche, schwach durchsichtige Körner verbrannt wird. Weihrauch als Geschenk der Magier verweist auf die Göttlichkeit des Beschenkten. Er gilt als Gottesduft, ihm schrieb man geheime Kraft, apotropäische ( = Unheil abwehrende) Wirkung zu, und die Fähigkeit, Verbindung mit göttlichen Menschen herzustellen.

Die Drei Weisen aus dem Morgenland

Im Rahmen der Erzählung von der Geburt Christi berichtet der Evangelist Matthäus von Magiern – den Heiligen Drei Königen – die einen „Stern” gesehen haben, dem sie über Jerusalem bis zum Geburtsort Christi gefolgt sind. Namen und Anzahl der Weisen werden nicht genannt. Anhand der drei symbolischen Geschenke (Gold, Weihrauch und Myrre) wurde schon von Origines (griechischer Kirchenschriftsteller um 185 – 254) die Dreizahl der Magier angenommen, was bald Allgemeingut wurde.

Mit der Zeit werden sie zu Königen und erhalten Namen. Das berühmte Mosaik aus dem 6. Jahrhundert in Ravenna (S. Apollinare Nuovo) zeigt sie als drei Männer verschiedenen Alters. Melchior (persisch: Gottesschutz) ist der jüngste, Caspar (Schatzmeister) der älteste, dazwischen Balthasar (Lichtkönig). Sie repräsentieren die drei Lebensalter: Jüngling, Greis und Mann in den besten Jahren. Anfangs ist keiner der drei von schwarzer Hautfarbe. Später gilt einer von ihnen, zunächst überwiegend Caspar, dann aber Melchior, als „Mohr” und als der Vornehmste.

Darüber hinaus versinnbildlichen sie die drei damals bekannten Kontinente: Europa, Afrika und Asien. Als ihre Reit- und Lasttiere gelten die für den entsprechenden Kontinent typischen Vierfüßler: Pferd, Kamel und Elefant. Ihre drei Geschenke betonen einen jeweils anderen Aspekt des Wesens Christi. Gold symbolisiert den Königssohn, Weihrauch den Gottessohn und die bittere Myrre weist auf Jesus als Menschensohn hin. Im Laufe des Mittelalters wurden die Gaben den drei Königen zugeordnet. Das Gold wurde traditionell von Melchior überbracht, Balthasar überreichte den Weihrauch, und das Geschenk Caspars war die Myrre.

Frankens schönste und bekannteste Krippe findet man wohl in Bamberg in der ‘Oberen Pfarre’, der Marienkirche “Zu Unserer Lieben Frau” auf dem Kaulberg. In der Zeit von Ende November bis Anfang März zeigt sie Darstellungen des biblischen Geschehens, jeweils passend zum Kirchenjahr, wie z. B. die Verkündigung, die Geburt Christi, die Heiligen Drei Könige, die Hochzeit zu Kana u.a.